Kinder im Haus

Familien mit Kindern gut begleiten und dafür im Ort bekannt werden: ein Weg in drei Schritten für Bestattungshäuser.

Die ganze Route steht hier, kostenlos. Die fertigen Vorlagen dazu gibt es als Paket.

Warum Kinder, warum spielerisch

Kinder begreifen die Welt im Spiel. Wenn sie einen Sarg, ein Bestattungsfahrzeug oder eine Trauerhalle nachbauen, ordnen sie nach, was sie erlebt haben oder erleben werden. Das ist kein Zeitvertreib, sondern ihre Art, Bedeutung zu geben.

Familien merken, ob ein Haus Kinder als Beteiligte sieht oder als Störung. Das sagen sie weiter. Sichtbar wird das nicht durch Werbung, sondern durch Dinge, die man anfassen und besuchen kann.

Der Weg geht deshalb so: erst sieht der Ort, dass es dich gibt (Schaufenster), dann lernen Kinder dein Haus kennen (Kita oder Schule), dann bekommen Familien das Spielzeug für zu Hause (Ausleihe). Der dritte Schritt ist der eigentliche Dienst, die ersten beiden schaffen das Vertrauen dafür.

Schritt 1: Sechs Wochen im Schaufenster

Baue das Bestattungsspielzeug im Schaufenster auf, sechs Wochen lang, und erkläre es gleichzeitig in der Zeitung. Beides gehört zusammen: Das Schaufenster zeigt, die Zeitung erklärt.

Das Schaufenster

  • Zeige eine Szene, die Kinder kennen: Trauerhalle, Sarg, Bestattungsfahrzeug, Friedhof. Kein Verkaufsdisplay, keine Preisschilder, kein Logo auf dem Spielzeug.
  • Stelle ein Schild daneben, das die Frage beantwortet, die jeder Vorbeigehende stellt: Warum steht hier Spielzeug? Zwei bis drei Sätze genügen. Ohne Schild erklären es die Leute einander selbst, und das Bild kippt leicht ins Schärfere.
  • Bei der ersten Reaktion eines Nachbarn: erklären, nicht verteidigen.

Den fertigen Text für das Schild, mit Platz für das Logo deines Hauses, findest du im Paket „Kinder im Haus“.

Die Zeitung

  • Schreibe der Lokalredaktion in der ersten Woche, nicht in der letzten. Der Aufhänger ist nicht das Spielzeug, sondern die Frage: Warum beziehen wir Kinder in eine Bestattung ein, und warum spielerisch?
  • Biete ein Gespräch an, in dem du die pädagogische Begründung selbst erklärst. Das ist die Geschichte, die ein Journalist braucht, nicht dein Haus.
  • Kinder kommen nicht erkennbar ins Bild. Fotografiere das Schaufenster und das Spielzeug, nicht Kinder.

Schritt 2: Eine Kita oder Schule einladen

Schließe die sechs Wochen ab, indem du eine Kita oder Schule aus der Nähe zu einem Besuch einlädst. Dass das möglich ist, zeigt ein Beispiel aus Nürnberg: Eine Kita-Gruppe besuchte ein Bestattungsinstitut als Abschluss mehrerer Thementage zu Tod und Sterben, nachdem sie zuvor schon einen Friedhof besichtigt hatte (Humanistische Vereinigung).

Vorher klären

  • Die Einladung geht an die Leitung. Bei einer Kita entscheidet die Leitung, oft in Absprache mit dem Träger, bei einer Schule genehmigt die Schulleitung. Die Regeln für Unterrichtsgänge und Schulwanderungen unterscheiden sich je nach Bundesland; in Mecklenburg-Vorpommern zum Beispiel erteilt die Schulleitung die Genehmigung und bezieht die Eltern in die Entscheidung ein (Bildungsserver M-V). Frage bei der Schulleitung nach dem Verfahren in deinem Bundesland, statt es vorauszusetzen.
  • Die Eltern werden vorher informiert und stimmen zu. Das übernimmt die Einrichtung, du lieferst einen kurzen Elternbrief (was passiert, wie lange, wer begleitet, was die Kinder sehen und dass sie jede Frage stellen dürfen, die beim Spielen auftaucht, und ehrliche Antworten bekommen).
  • Fotos von den Kindern machst du nicht, außer die Eltern haben ausdrücklich zugestimmt. Im Zweifel: kein Foto.
  • Die Kinder bereiten sich im Idealfall vor. Eine Kita, die vorher schon über Sterben gesprochen hat, bringt andere Kinder mit als eine, die nichts vorbereitet hat.

Der Besuch (ca. 45 bis 60 Minuten)

  1. Ankommen und Hausregeln: Wer bist du, was machst du hier? Kinder dürfen Fragen stellen, zu jeder Zeit.
  2. Das Spielzeug: Die Kinder spielen die Bestattung nach, mit dem Spielzeug aus dem Schaufenster.
  3. Der Rundgang: Trauerhalle, Sarg, gegebenenfalls das Fahrzeug. Zeige, erkläre kurz und ehrlich, lass Schweigen zu.
  4. Abschluss: ein ruhiger Moment, zum Beispiel ein Getränk. Die Kinder gehen mit einem Satz nach Hause, den sie weitererzählen können.

Wichtig: Der Besuch ist kein Unterricht, den ein Bestatter allein hält. Sprich den Ablauf mit der pädagogischen Fachkraft der Einrichtung ab. Wenn du dich unsicher fühlst, wie du Kindern vom Tod erzählst, ist das ein guter Grund, dein Team vorher zu schulen.

Die Zeitung, zum zweiten Mal: Lade die Lokalredaktion zum Besuch ein, wenn die Einrichtung und die Eltern zustimmen. Berichtet wird über das Anliegen, nicht über einzelne Kinder.

Schritt 3: Das Spielzeug an Familien ausleihen

Nach dem Besuch kommt das Spielzeug aus dem Schaufenster zurück ins Haus und steht Familien zur Verfügung, die ein Kind in der Trauer oder vor einer Bestattung begleiten. Hier liegt der eigentliche Dienst.

  • Anbieten, nicht aufdrängen. Erwähne die Ausleihe im ersten Gespräch, wenn Kinder in der Familie sind. Ein Satz genügt: Wir haben Spielzeug, mit dem Kinder nachspielen können, was sie erlebt haben. Möchtet ihr es mit nach Hause nehmen?
  • Eine kurze Einweisung mitgeben. Eine Seite für die Eltern: was das Spielzeug ist, dass das Kind es selbst entdecken darf, dass Fragen und wiederholtes Spielen normal sind und wann ein Gespräch mit dir oder einer Fachperson sinnvoll ist.
  • Eine Frist, die zur Familie passt. Die Ausleihe hat einen klaren Anfang, aber kein hartes Ende. Frage nach einigen Wochen nach, wie es der Familie geht.
  • Rückgabe als Moment. Wer das Spielzeug zurückbringt, hat eine Gelegenheit für ein kurzes Gespräch. Das ist oft der Moment, in dem Familien erzählen, was sie in der Zeit erlebt haben.
  • Kein Verkauf im selben Atemzug. Wer ausleiht, wird nicht zum Kunden gemacht. Wer es kaufen möchte, kann fragen.

Die Namen der Familien, die ausleihen, und alles, was sie dir erzählen, gehören zu deiner Verschwiegenheit. Sie tauchen nicht in Zeitung, Social Media oder Werbung auf.

Hygiene

Spielzeug, das zwischen Kita, Schaufenster und Familien wandert, braucht feste Regeln. Passe die Details an die Herstellerangaben an.

  • Vor jeder Ausleihe und nach jedem Besuch alle Teile reinigen, nach Herstellerangabe.
  • Textilteile und Stoffbezüge waschen, soweit möglich.
  • Vollständigkeit prüfen und Beschädigungen aussortieren, besonders Kleinteile.
  • Das Spielzeug trocken und staubgeschützt lagern, nicht im Arbeitsbereich und nie im Sargraum, in der Kühlung oder im Vorbereitungsraum.
  • Pro Ausleihe eine kurze Notiz: Datum, Übergabe, Rückgabe, wer gereinigt hat.
  • Eltern und Einrichtungen sagen, dass das Spielzeug gereinigt übergeben wird.

Was du zeigen darfst und was nicht

Das Ziel ist, dass Menschen dein Haus kennenlernen, ohne dass sich jemand umworben fühlt. Der rechtliche Rahmen ist eng: Werbung darf nicht irreführend oder belästigend sein (UWG), auf dem Friedhof ist Werbung bei Trauerfeiern grundsätzlich untersagt, und Fotografien von Trauernden, Urnen oder Verstorbenen brauchen die ausdrückliche Zustimmung der Angehörigen (Aeternitas). Das ist kein Rechtsrat. Kläre Zweifelsfälle mit deinem Verband oder einer Anwaltskanzlei.

Zeige Lieber nicht
Das Spielzeug und die Szene, die Kinder nachspielen Kinder, Trauernde oder Verstorbene auf Fotos ohne Zustimmung
Ein Schild, das erklärt, warum es da steht Preise, Rabatte oder Angebote im Schaufenster
Einen Besuch der Kita, als Gespräch und nicht als Werbung Pressefotos von Kindern im Sargraum oder in der Trauerhalle
Aussagen, die stimmen und die du belegen kannst Werbung auf dem Friedhof oder bei einer Trauerfeier
Deine pädagogische Begründung in Worten Geschichten einzelner Familien, auch anonymisiert, wenn sie erkennbar sind

Zeitplan

Woche Was
Vorher (2 bis 4 Wochen) Schild und Pressetext vorbereiten, Kita oder Schule ansprechen, Verfahren klären, Elternbrief entwerfen
1 Schaufenster aufbauen, Lokalredaktion anschreiben
2 bis 5 Schaufenster stehen lassen, auf Fragen antworten, Einladung der Einrichtung festlegen
6 Besuch der Kita oder Schule, gegebenenfalls Presse dabei
Danach (1 bis 2 Wochen) Spielzeug reinigen, zurück ins Haus, Ausleihe in der Beratung erwähnen
Danach, laufend Ausleihe an Familien, nach einigen Wochen nachfragen

Das Paket „Kinder im Haus“

Fertige Texte zum Anpassen: Schild für das Schaufenster, Elternbrief für die Kita oder Schule, Merkblatt für Familien, Pressetext und Hygiene-Protokoll. Als PDF zum Lesen und Drucken und als Word-Datei zum Anpassen, mit Platz für das Logo deines Hauses. Trage deine E-Mail-Adresse ein, du bekommst das Paket per Mail.

Wir verwenden deine E-Mail-Adresse, um dir das Paket zu schicken. Mehr dazu in der Datenschutzerklärung.

Du möchtest das nicht allein machen?

Wir begleiten dich und dein Team, bei den Gesprächen mit Kindern, bei der Elternarbeit und bei Besuchen von Kitas und Schulen. Der Einstieg ist eine kostenlose Fallbesprechung. Schreib uns: info@kc-tothepoint.com

Das Bestattungsspielzeug gibt es im Webshop für Fachkräfte: shop.kc-tothepoint.com